Gemeinsam Grenzen überwinden

Die Aufgabe der Bildungsbüros der Stadt Coburg und des Landkreises ist es, Strukturen zu schaffen, die allen Menschen der Region einen gleichberechtigten Zugang zum Bildungssystem und eine gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Doch wie sieht die Arbeit der  Bildungsmanager  in Stadt und Landkreis eigentlich aus?

Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer lernen mit Kindern aus Flüchtlingsfamilien in der Schule Deutsch. Sie lesen gemeinsam und üben in kleinen Schritten deutsche Grammatik mit ihren Schützlingen aus Syrien oder Afghanistan. „Sprachpaten“ heißt das Projekt, das der Verein Mentor Lesespaß Coburg e.V. in enger Zusammenarbeit mit der Bildungsregion Coburg ins Leben gerufen hat, um Sprachbarrieren an Schulen zu überwinden. Eine Idee, die Lehrer entlastet und dabei hilft, Kinder aus Flüchtlingsfamilien besser zu integrieren – die aber auch viel Koordination, Erfahrung und Vernetzungsarbeit benötigt.

Die „Sprachpaten“ sind ein Beispiel dafür, wie die operative Arbeit der Bildungsbüros Coburg Stadt und Land aussehen kann.

„Wir unterstützen innovative Projekte und helfen bei der Umsetzung. In diesem Fall haben wir das Konzept der Sprachpaten mitgestaltet, die richtigen Leute miteinander ins Gespräch gebracht und Räume für Besprechungen zur Verfügung gestellt“, erklären Doreen Rottmann (Landkreis) und Kerstin Lindenlaub (Stadt) von den Bildungsbüros ihre Tätigkeit. Das Spektrum der beiden Büros ist breit aufgestellt: Je nach Schwerpunktthema, das durch den Bildungsbeirat bestimmt wird, werden Veranstaltungen initiiert, passende Partner vernetzt und immer wieder neue Lösungen gesucht, um für kreative Bildungsideen den passenden Rahmen zu finden. „In unserer täglichen Arbeit nehmen wir ständig Anregungen auf und schauen, wo Akteure nicht weiter kommen. Was ist nötig, um Projekte umzusetzen, laufende Aktionen besser zu machen oder die richtigen Ansatzpunkte zu finden? Wir helfen mit passenden Ansprechpartnern aus und freuen uns am Ende, wenn etwas nachhaltig läuft und funktioniert“, fassen Doreen Rottmann und Kerstin Lindenlaub ihre Arbeit zusammen. Oft sind es ganz individuelle Lösungen, die weiterhelfen. Ihr gemeinsames Ziel ist es, ein flexibles Gesamtsystem aufzubauen, in dem die Bildungsqualität durch eine konsequente Vernetzung der Akteure verbessert werden kann. Als Grundlage dient ein Umsetzungskonzept, dass im Rahmen der Zertifizierung zur Bildungsregion Bayern entstanden ist. Stadt und der Landkreis Coburg erhielten 2014 das Gütesiegel.

„Unsere Handlungsfelder beziehen sich auf Themen von der ‚Wiege bis zur Bahre‘. Vor allem Kindern und Jugendlichen aus unserer Region wollen wir die Möglichkeit geben, sich zu entfalten – auch wenn eine besondere Begabung auf den ersten Blick vielleicht noch nicht zu erkennen ist. Jeder soll die Chance bekommen, sich weiter zu entwickeln. Dazu ist ein Umfeld erforderlich, in dem Erfahrungen gesammelt und lebenspraktische Fähigkeiten entwickeln werden können“, wissen die Expertinnen.

Um die Bildungsregion erfolgreich voranzubringen, ist es wichtig zu erkennen, welche Themen in der Region aktuell die Menschen bewegen. So standen 2017 Jugendliche ohne Ausbildung im Mittelpunkt der Bildungsarbeit. Im März fand dazu der erste Coburger Bildungskongress (CoBiKON) unter dem Motto: „GeMEINsam zum BERUF – Jugendliche ohne Ausbildung“ statt, der von den Bildungsbüros, der Hochschule, den staatlichen Schulämtern und weiteren Partnern konzipiert und umgesetzt wurde. Zur Diskussion stand die Tatsache, dass es trotz freier Lehrstellen immer wieder junge Leute gibt, denen es nicht gelingt sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Warum finden Ausbildungsstellen und viele Jugendliche nicht zusammen? Auf welche neuen Berufsfelder müssen Jugendliche eigentlich vorbereitet und qualifiziert werden? Fachleute und politische Entscheider suchten gemeinsam nach Antworten auf diese Fragen. Ziel war es, über soziale und politische Grenzen hinweg verschiedene Perspektiven und Sichtweisen zusammenzubringen, um innovative Gedanken hervorzubringen. „Das ist unsere Aufgabe: Gemeinsam den Standort Coburg als Bildungsraum stärken. Wir wünschen uns viele, neue Ideen, die nachhaltig im Praxisnetzwerk wirken“, resümieren Doreen Rottmann und Kerstin Lindenlaub.

Vergangenheit und Zukunft: Wie alles begann
Die Bildungsbüros profitieren heute von der langjährigen, erfolgreichen Zusammenarbeit von Landkreis und Stadt Coburg, die sich durch ein gemeinsames Bildungsverständnis entwickeln konnte. Seit dem Jahr 2007 wird in der Region an dem gemeinsamen Aufbau einer kommunalen Bildungslandschaft gearbeitet. Schulen agieren mit Kindertagesstätten, der kommunalen Jugendarbeit und der Jugendhilfe sowie mit Vereinen, Verbänden und der Wirtschaft. Der Erfolg ist längst sichtbar: Bildung verbindet Generationen untereinander, Wissen wird geteilt und Toleranz entsteht.
Zukünftig wollen die Bildungsbüros noch viele Themenbereiche umsetzen wie das Erreichen bildungsferner Familien, die weitere Stärkung der außerschulischen Bildung, die Stärkung des Bildungsinteresses und Bildungsbewusstseins oder die Senkung des Anteils von Schulabgängern ohne Schulabschluss.

© Bildungsregion Coburg