Koordinierung Bildungsangebote Neuzugewanderte

Bildung ist der Schlüssel für eine gelingende Integration in unserer Gesellschaft. Deshalb gibt es seit 2017 Koordinationsstellen in Coburg Stadt und Landkreis, die dabei helfen, zugewanderte Menschen stärker in das bestehende Bildungssystem zu integrieren.

Coburg ist bunt und lebendig: Menschen aus über 100 verschiedenen Nationen wohnen, leben und arbeiten in unserer Stadt. Sie alle sollen gleichberechtigt Bildungs- und Kulturangebote nutzen können, lernen und sich weiterbilden: Jeder sollte dabei gleiche Chancen und Möglichkeiten haben. Deshalb gibt es in Coburg zahlreiche Akteure und Fachleute, die Integration vor Ort leben, indem sie sich für die Belange und Wünsche von Neuzugewanderten engagieren. Um die vorhandenen lokalen Kräfte zu bündeln und das gemeinschaftliche Zusammenwirken zu fördern, gibt es seit 2017 für Stadt und Landkreis jeweils eine „Kommunale Koordinierung der Bildungsangebote für Neuzugewanderte“. Die Koordinationsstellen werden für die Dauer von zwei Jahren vom Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. „Unsere Aufgabe ist es, alle existierenden Bildungsangebote zusammen zu bringen. Die Initiative richtet sich an Menschen mit Zuwanderergeschichte, die nicht deutscher Herkunft sind“, erklärt Karin Hübner, die als Koordinatorin für die Stadt Coburg tätig ist. „Dadurch sollen die Zugänge zum Bildungssystem verbessert und Bildungsangebote aufeinander abgestimmt und gesteuert werden“, weiß auch Landkreis-Koordinatorin Lea Weispfennig. Beide nehmen im Rahmen des Integrationsmanagements eine wichtige Rolle ein und arbeiten eng mit den jeweiligen Integrationsbeauftragten zusammen.

Ziel ist es sowohl die Stadt als auch den Landkreis langfristig bei Integrationsaufgaben zu unterstützen. Durch strategisches Planen und Vorgehen, werden Strukturen geschaffen, die nachhaltig wirken. Neuzugewanderte sollen dadurch leichter einen Zugang zum Bildungs-, Ausbildung-und Betreuungssystem finden. Für sie können sich dadurch neue schulische und berufliche Perspektiven eröffnen. Durch die Arbeit der Koordinatorinnen wird vor allem mehr Transparenz geschaffen: Wo gibt es welche Beratungsstellen und Bildungsangebote? Wo sind ehrenamtliche Helfer aktiv? Wo und wann finden Sprach- oder Integrationskurse statt?

„Zurzeit liegt unser Fokus stark auf den Menschen, die als Geflüchtete ins Land kommen. Jetzt ist es unsere Aufgabe zu zeigen, welche Angebote es schon gibt und wer dafür verantwortlich ist. Wir geben Impulse und stoßen neue Ideen oder Konzeptentwicklungen an. Die Bildungskoordinatorinnen ergänzen und unterstützen sich in ihren Bereichen gegenseitig. Sie arbeiten beispielsweise mit kommunalen, kirchlichen oder freien Trägern von Kitas, dem Schulamt, der Volkshochschule, der Bundesagentur für Arbeit, Vereinen und Institutionen, der Jugendhilfe, Stiftungen, Sprachschulen oder ehrenamtlichen Helfern zusammen. In Gesprächen mit den jeweiligen Stellen erkennen die Koordinatorinnen, wo welcher Bedarf besteht oder welche Stellen als Netzwerkpartner in Frage kommen, um neue Projekte, wie z.B. ein „Sprachwohnzimmer“ umzusetzen.

„Wir richten uns bei unserer Arbeit komplett nach den Bedarfen unserer Zielgruppe. Immer mit dem Blick auf Partizipation, denn Integration bedeutet Teilhabe und die entsteht durch den direkten Kontakt mit Menschen“, erklärt Karin Hübner. Dabei ist der Sozialpädagogin der achtsame Umgang mit Themen wie „Flucht und erlebte Traumata“ wichtig. Sie weiß aus Erfahrung, dass Menschen erst „frei im Kopf“ sein müssen, um sich für Neues öffnen zu können.

Beide Koordinatorinnen versuchen auch bestehende Qualitätsstandards zu prüfen. Sie agieren als eine Art „Sprachrohr“, um herauszufinden, wo Verbesserungsmaßnahmen nötig sind. „Wir bringen auch Optimierungsprozesse in Gang und können so mit unserer Arbeit auch die Anpassung struktureller Ablaufprozesse situationsgerecht und lösungsorientiert steuern. Manchmal ist es wichtig nur Kleinigkeiten zu verändern, um passgenaue Angebote zu entwickeln“, fasst Lea Weispfennig zusammen.
Gemeinsam koordinieren die Fachfrauen gerade die Berufsbeschulung für Stadt und Land. Junge Menschen, die keine zehnjährige Schulbildung vorweisen können, haben einen Anspruch auf einen Platz in der Berufsschule. Dabei sei es wichtig, homogene Klassen zu bilden, die einen ähnlichen Kenntnisstand in der deutschen Sprache aufweisen. Karin Hübner und Lea Weispfennig unterstützen hier bei der Erfassung der Schülerinnen und Schüler und die Anmeldung an den Berufsschulen zu organisieren.

„Durch gesellschaftliche Teilhabe wird ein wichtiger Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und sozialen Frieden geleistet. Nur wenn alle gemeinsam diese anspruchsvolle Aufgabe angehen, kann Integration gelingen“, da sind sich beide sicher.

© Bildungsregion Coburg